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#blau #geschichten #pastell

Blau ist die flüchtigste aller Farben, sie weicht optisch vom Betrachter zurück und wirkt ebenso kühl wie bodenlos. Blau wird mit dem Himmel und dem Meer assoziiert – obwohl Luft und Wasser an sich durchsichtig sind. Damit wird Blau zu der Farbe des Unwirklichen, des Unsichtbaren und Nichtgreifbaren.

<< An einem sommerlichen Tag sitzen am Strand von Nizza drei junge Freunde und teilen die Welt unter sich auf. Arman Fernandez, ein nachdenklicher Student, der es später als Künstler zu einiger Berühmtheit bringen soll, bekommt das Land und seine Reichtümer. Claude Pascal, der zweite, erhält die Luft. Yves Klein, ein kleinwüchsiger 19-Jähriger mit hellwachen dunklen Augen, entscheidet sich für den Himmel mit seiner Unendlichkeit. Es ist ein Spaß, aber wie es seine Art ist, nimmt Klein die neue Welt-Ordnung ernst. „An diesem Tag“, erklärt er später, „begann ich die Vögel zu hassen, weil sie an meinem blauen, wolkenlosen Himmel hin- und herflogen und versuchten, Löcher in mein größtes und schönstes Kunstwerk zu bohren.“ Im Laufe seines kurzen, wilden Lebens wird sich Klein diesem Kunstwerk immer weiter annähern.

Er wird behaupten, den Himmel, „mein größtes und schönstes Monochrom“, signiert zu haben. Er wird sich aus einem Fenster auf die Straße stürzen, um wie ein Vogel die Schwerkraft herauszufordern – und überleben. Er wird all das mit einer Leidenschaft tun, die ebenso fesselnd wie selbstmörderisch ist. Vor allem aber wird er weltberühmt werden mit großflächigen Monochromen, die blau sind wie der Himmel über Nizza, die seine Zeitgenossen verstören, Sammler und Kritiker begeistern und ihn heute, 45 Jahre nach seinem Tod, zu einem der „einflussreichsten, begehrtesten und teuersten Künstler des 20. Jahrhunderts“ machen, wie der Kurator Olivier Berggruen meint, der ihm 2004 in der Frankfurter „Schirn“ eine große Retrospektive ausrichtete. >> 

(Quelle: https://www.brandeins.de/corporate-publishing/mck-wissen/mck-wissen-qualitaet/ins-blaue-hinein )

Für den Künstler Yves Klein, welcher sich die Farbe Blau zum Zentrum seiner Arbeit gemacht hat, scheint das Blau "das sichtbar werdende Unsichtbare". Er erfindet sogar ein eigene Pigment das "International Klein Blau, kurz: I.K.B., und lässt es vom „Institut National de la propriété industrielle“ unter der Nummer 63471 schützen. Wahrscheinlich ist er einer der ersten Künstler der Welt, der ein Patent auf eine Farbmischung hält. 

Accord bleuYves Klein, 1960 Quelle: www.wikiart.org

Standen Sie schon einmal vor einem großen stillen Bergsee oder Ozean, dessen Wasser ganz glatt und ruhig war? Konnten Sie durch die unterschiedlichen Blau-Nuancen den Grund sehen? Oder sich im Dunkel der unendlichen Tiefe verlieren? Was haben Sie dabei gefühlt? Ruhe, Zufriedenheit oder das Bedürfnis etwas Großes zu vollbringen? 

Kein Wunder also, dass die Farbe Blau in der Literatur und auch in der Grafik für Ferne, Sehnsucht, Klarheit, aber auch Harmonie und Zufriedenheit steht. Blau zählt zu den kühlen Farben, es wirkt beruhigen und inspirierend. Blau als Farbe begleitet die Menschheit schon seit Jahrhunderten:

Seit dem Altertum wird aus der Indigo-Pflanze, welche ursprünglich aus Ostindien stammt, ein blaues Pigment gewonnen, welches uns bis heute, wenn auch in synthetischer Form, zum Färben von Kleidung erhalten geblieben ist. Indigo gilt als Grundlage Jahrhunderte alter Textiltraditionen in Asien, Europa und Afrika. In Westafrika, zum Beispiel, wurden die Tuareg-Normaden wegen ihrer blau gefärbten Turbane als die "blauen Männer der Wüste" bezeichnet.

Die Redewendung "Blau machen" kommt übrigens ebenfalls aus der Textilfärberei. Der blauen Montag war nämlich der freie Tag der Färber. Diese legten am Sonntag ihre zu färbenden Stoffe in ein Färbebad, welche am Montag an der frischen Luft getrocknet werden mussten. Durch eine chemische Reaktion entstand da die blaue Farbe. Am blauen Montag hatten die Färber also nichts zu tun, sie mussten einfach warten bist ihr Stoffe "blau machten".

Eine Hommage an die wohl schönste Farbe der Welt.